Wie lebt es sich in der thailändischen Provinz, in einem Ort, von dem die meisten Touristen noch nie etwas gehört haben? Wir wollten es einmal herausfinden und fuhren nach Nakhon Sawan, das könnte man auf Deutsch etwa mit "Himmelsstadt" übersetzen.
Leider war der erste Eindruck eher eine herbe Enttäuschung. Pickup vom Bahnhof zum Hotel kostete uns happige 100 Baht, war aber eigentlich nicht so teuer, da wir wie wir erst später feststellten, den ganzen Wagen gechartert hatten. War wohl ein sprachliches Mißverständnis. Dann aber das Hotel! Wir hatten aus unserem (deutschen) Reiseführer ein Haus der gehobeneren Preisklasse im Zentrum ausgesucht: das Star Inn (s. Foto rechts). Von aussen sahs ja auch gar nicht so schlimm aus, aber innen übertraf es so ziemlich alles, was wir bisher in Asien erlebt hatten: die Lobby war unbeleuchtet und sah irgendwie schmuddelig aus. Der einzige funktionierende Aufzug stöhnte und zitterte uns hinauf. Im Flur und auf den Zimmern funktionierte die Beleuchtung nur an manchen Stellen, der Teppichboden war teilweise herausgerissen, die Vorhänge hingen manchmal nur noch halb am Fenster, usw. usw.
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Da konnte uns auch die tolle Aussicht über einen großen Teil der Stadt nicht entschädigen. Wir versuchten noch, aus den oberen Etagen zur Not zu Fuß nach unten zu gelangen, aber die Durchgänge waren unbeleuchtet und mit Gerümpel vollgestopft. Also keinen Fluchtweg im Falle eines Feuers! Wie wir später von Einheimischen hörten, hatten sich schon drei Eigentümer vergeblich bemüht, aus diesem Hotel etwas zu machen. Es sei aber kein Wunder, sagte man uns, da es auf einem alten chinesischen Friedhof erbaut wurde... Na, das hätten wir uns ja fast denken können, daß die armen gequälten Seelen natürlich so etwas nicht dulden können.

Also schnellstens eine neue Unterkunft gesucht. Wir fanden sie dann auch in dem wunderbaren Baan Suan, motel-ähnlich mit viel Grün, pieksaubere einstöckige Bungalows und mit einem guten Restaurant, leider nicht ganz im Zentrum gelegen. So konnten wir uns endlich aufmachen, gelassen die Stadt zu erkunden.
| Als erstes wollten wir den Ursprung des Maenam Chao Phraya besuchen. Der Chao Phraya ("Maenam" heißt nur einfach "Fluß") ist die Lebensader Zentral-Thailands. Er ist der breite Fluß, der mitten durch Bangkok fließt. Hier in Nakhon Sawan am Zusammenfluß der beiden Flüße Maenam Nan, der durch die Stadt Nan fließt und sich kurz vorher mit dem Maenam Yom vereinigte, und dem Maenam Ping, dem wir schon in Chiang Mai begegnet waren, bekommt er seinen Namen. Von hier aus sind es noch 370 km, bis er südlich von Bangkok in den Golf von Thailand mündet. | |||||
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| An buddhistischen Tempeln hat das Stadtgebiet von Nakhon Sawan eigentlich nur zwei nennenswerte zu bieten: Wat Worranat Banphot und Wat Chom Kiri Nakphrot. | |||||||
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| Wat Worranat Banphot, die Einheimischen nennen ihn Wat Khob, ist am Hang des Hügels Khao Khob gebaut. Er wurde bereits auf einer Inschrift aus der Sukhothai-Zeit erwähnt, wurde also etwa vor gut 700 Jahren gegründet. Oben auf dem Hügel gibts eine kleine Pagode mit einem Fußabdruck des Buddha ebenfalls aus der Sukhothai-Zeit. Etwas tiefer blickt eine riesige sitzende Buddha-Statue aus neuerer Zeit ins Land, auf dem Foto oben links sieht man noch gerade den Kopf, der sich über die Bäume erhebt. Am Fuße des Hügels befindet sich eine 32 Meter hohe Chedi (Foto oben rechts), in der angeblich eine Reliquie des Buddha versteckt sein soll. | |||||||
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| Auch der Wat Chom Kiri Nakphrot ist an einem Hügel gebaut. Der Überlieferung nach sollen angeblich die Burmesen nach ihrem Sieg über Ayutthaya diesen Tempel gebaut haben als Zeichen, daß doch beide Länder der gleichen, nämlich der buddhistischen Religion angehören. Nach einem schweisstreibenden Aufstieg in der Mittagshitze(!) konnten wir oben vom Hügel eine fantastische Aussicht über Nakhon Sawan geniessen. Übrigens verfügt auch Wat Chom Kiri Nakphrot über eine große sitzende Buddha-Statue, rechts im unteren Bild. | |||||||
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| Das Gewässer, das man im oberen Bild in der Mitte noch so erahnen kann, gehört zum Utthayan Sawan-Park, einem 50 Hektar großen Gelände mitten in der Stadt. Hier befand sich ursprünglich ein Sumpf-Gebiet, das dann in eine preisgekrönte Garten-Anlage mit einem See und einer 6.400 m² großen Insel mittendrin umgebaut wurde. Zwei Ringstraßen führen rund um den Park. Nach Feierabend treffen sich hier nicht nur die Jugendlichen. Die Straßen um den Park sind dann regelmäßig mit Mopeds und Motorrädern verstopft. Im Park wird dann gepicknickt, oder es finden Konzerte auf der Bühne am See statt. Mitten im See bläst eine riesige Fontäne das Wasser in den Abendhimmel (siehe links aussen auf dem Foto Hotelzimmer-Panorama oben). | |||||||
Abschliessend sei noch folgendes bemerkt: sollten Sie jemals den Wunsch verspüren, ein untouristisches Thailand kennenzulernen, dann sei Ihnen der Besuch einer Provinzstadt wie Nakhon Sawan ans Herz gelegt. Hier sind die ursprünglichen thailändischen Wertmaßstäbe noch stark und noch nicht durch die allgemeine Jagd nach dem Geld in Vergessenheit geraten.
Letzte Aktualisierung dieser Seite: Freitag, 08.04.2011
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