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Der Jungfrauen Baum

Zukucker

 

 

Traiphum: Der Jungfrauenbaum

Aus dem Thonburi Traiphum (Ende des 18. Jahrhunderts)

 

 

Der zu diesem Bild gehörige Text lautet:

Der Nariphon-Wald[1] ist 25 sen[2] breit, seine Früchte sind Mädchen von 16 Jahren. Die Withayathon[3] kommen (hierher)[4], um (diese) zu bewundern und um (mit ihnen) zu spielen. Am siebenten Tag werden die Nariphon kalt und schwinden dahin. Danach holen (die Withayathon) sich weitere[5].“

Die hier abgebildete Szene gehört zu den beliebtesten Bildmotiven Thailands[6]. Der lebensfrohe Sinn des Thailänders ist nur allzu sehr geneigt, jede Mythe zu illustrieren, in der sich strenge Lehren und ergötzende Vorstellungen verbinden.

Wer ein Weiser, ein Withayathon, geworden ist und den Besitz magischer Kräfte erlangt hat, hat Zugang zum Nariphon-Wald im Himalaja[7]. Doch bevor er hier zum Baum der Mädchenfrüchte gelangt, hat er zahlreiche Prüfungen und Gefahren zu bestehen. Wiederholte Male wird der Weise von angreifenden überirdischen, fliegenden Wesen[8] getötet, doch stets von einem Wächter am Fuße des Nariphon-Baumes wieder ins Leben zurückgeholt. Der Maler des Bildes begnügt sich damit, zu zeigen, wie drei der Weisen bereits am Ziel ihrer Wünsche angelangt sind[9]. Am Baum hängen die Nari, teilweise als reife Früchte, teilweise, oben links im Bild, als halbgewachsene. Einer der Weisen, links im Bild, der wie ein Einsiedler gekleidet ist[10], fliegt gerade mit einer Nariphon davon, um sich mit ihr sieben Tage an einem verborgenen Ort des Waldes zu vergnügen. Zwei andere Weise schneiden sich Früchte ab.

 

 

Zitiert nach:
Klaus Wenk: Thailändische Miniaturmalereien,
Verlag F. Steiner, 1965

 

 

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Fußnoten:

  1. Thailändisch: nari, Mädchen, Frau; phon, Frucht, also „Mädchenfruchtbaum“, auch makkaliphon-(Baum) genannt <...>.
  2. sen = 40 m, also 25 sen = 1 km.
  3. Auch phithayathon genannt, d. s. übernatürliche Wesen, die im Himalaja wohnen und Diener Sivas sind <...>.
  4. Zusätze des Übersetzers stehen in Klammern.
  5. Vgl. hierzu den Text in Traiphum Phra Ruang, 2 71 f.: „Sodann ist da der Wald Nariphon und man sagt, dessen Früchte seien sehr schön, wie Jungfrauen im Alter von 16 Jahren. - Die Scharen der Männer sind heftig verliebt, wenn sie (jene) sehen. Sobald (die Früchte) herabgefallen sind, werden sie von den aufgeregten Vogelscharen gefressen, so wie der Bär den Honig schleckt.“
  6. Besonders häufig in der Goldlackmalerei Thailands.
  7. Die blütenreiche Erzählung, in die astrologische und alchimistische Vorstellungen einbezogen werden, ist in Thailand allgemein bekanntes Volksgut <...>. Hinweise auf den Ursprung dieser Mythe konnten jedoch im Thailändischen Schrifttum nicht gefunden werden, möglicherweise handelt es sich hier <...> um eine Volkserzählung.
  8. Thailändisch: phetyathpn.
  9. Detailliertere Darstellungen finden sich vor allem in der Goldlackmalerei.
  10. Erkennbar an der Kopftracht sowie an dem (hier nur angedeuteten) Kinnbart <...>.
 

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: Montag, 27.12.2010 

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