Feierlich tönen die Tempelgongs des "Wat Pitsanuloke" ... Dumpf hallen die ehernen Klänge über den Liung, verebben im jenseitigen Urwald, über dem flimmernd die Glut der Tropensonne liegt.
Dichte Weihrauchwolken schwelen zu Füßen der uralten Buddhafigur, umweben "Gautamas" geheimnisvolles Antlitz mit duftigen Schleiern. Seltsam erschallt der Mönche monotoner Paligesang.
Silberne Schnüre führen von den Ohren der Statue durch des Tempels Mittelschiff hinaus in den palmenumschatteten Vorhof, wo heute eine seltene Feier abgehalten wird, da das Oberhaupt aller Buddhisten, Siams König, beim Guß eines gewaltigen Buddhas gegenwärtig ist. In seinen Händen ruhen die geweihten Schnüre gehen durch zahlloser Mönche Hände zu den gemauerten Formen der neuen Statue, die ein getreues Abbild jenes Buddha werden soll, der seit Jahrhunderten im Tempel von Pitsanuloke träumt...
| Die Silberschnüre führen durch zahlloser Mönche Hände zu den gemauerten Formen der neuen Buddhafigur. |
Prinzen, Mandarine und des Reiches Würdenträger nehmen teil an diesem denkwürdigen historischen Akt. Von Chinas und Birmas Grenze, aus den Laos- und Shanstaaten sind Gläubige zu diesem großen Ereignis herbeigekommen. Schätze von Gold und Silber, kostbare Geschmeide haben sie ala Opfergaben gebracht und in die glühende Metallmasse geworfen, daraus der neue Buddha entstehen soll.
| Primitive Öfen, in welchen das Metall zum Buddhaguß geschmolzen wurde. |
Schöne Siamesinnen und Laosmädchen sinken ehrfürchtig in die Kniem, legen Ohrgehänge und Armspangen ab, um sie zum feurigen Glutofen zu tragen; seine letzte Kupfermünze wirft ein alten blinder Bettler hinein. Aussätzige mit grausig verstümmelten Gliedern, die auf Krücken herbeihumpeln, opfern erbettelte Geldstücke. Schleppenden, müden Schrittes naht eine alte buddhistische Nonne, in weiße Schleier gehüllt; ihr einziges Kleinod, ein winzig kleines Amulett, wirft sie in die brodelnde Masse. In ihren verlöschenden Augen perlen Tränen; inbrünstig betet sie mit aufgehobenen Händen.
Von welch frommem Opfersinn, von wie vielen erschütternden Begebenheiten würden die ungezählten Votivgaben, die in das wallende Metall geworfen wurden, erzählen, wenn sie als Buddhastatue späteren Geschlechtern von eines Königs Treue und eines Volkes erfülltem Gelübde künden könnten.
| Kopf der neugegossenen Buddhafigur (Wurde vom König eigenhändig vergoldet). |
Siams König war im Traum Buddha in der Gestalt der uralten Statue von Pitsanuloke erschienen; huldvoll sich zu ihm neigend, verhieß er ihm, des Reiches Unabhängigkeit zu schützen, wenn ihm in Bangkok, der "Stadt der Himmelsgeister", ein neues Heiligtum errichtet werde. Von Begeisterung und heiliger Inbrunst erfüllt, hatte der König gelobt, "Gautamas" hehres Ebenbild errichten zu lassen. Bald darauf, zur Pilgerfahrt gerüstet, war er mit seinem Gefolge in großer Flottille den Menamstrom hinauf nach Pitsanuloke gezogen. Viele Wochen hatte die beschwerliche Reise gedauert, die mit Fasten, Beten und "Tambuhn" - Buddha wohlgefälligen Werken - verbracht worden war. Auf des Königs Geheiß waren schwere Bronzekanonen, die einst im Kriege gegen Birma erobert worden waren, nach Pitsanuloke gebracht und zum Guß des gewaltigen Buddha geschmolzen worden.
Tagelang lag das gläubige Volk auf den Knien, flehend, der alten Buddhastatue Heiligkeit möge durch die geweihten Silberschnüre auf die neue übergehen. Nächtelang hatten Gautamas Priester und Nachfolger Ehrenwache gehalten; unaufhörlich brannten zahllose Kerzen und Joßstöcke. Weihrauch wallte empor in himmlische Höhen.
Endlich, nach glücklich vollendetem Guß, wird die Riesenfigur unter dem lauten Jubel der frohbewegten Gläubigen im Triumph den Strom hinunter nach Bangkok gebracht.
Auf Befehl des Königs haben Astrologen den glückbringenden Tag der Einweihung festgesetzt. Rauschende Freudenfeste werden in der Hauptstadt veranstaltet.
Eigenhändig überzieht der König das strahlende Antlitz der Statue mit purem Gold, setzt einen großen feurigen Diamanten, den kostbarsten, den seine Schatzkammern bergen, in die Stirn der Statue. Dann wird die Figur poliert und vergoldet und mit einem Rosenkranz funkelnder Diamanten, die von der linken Schulter zur rechten Hüfte hinab reicht, geschmückt.
Endlich bricht der ersehnte Tag an, da der neue Buddha feierlich in den für ihn erbauten Tempel eingebracht werden soll.
| In feierlicher Prozession wird der neugegossene Buddha auf einem Floß an die Landungstreppe des für ihn erbauten Tempels gebracht. |
Gleichsam von unsichtbaren Mächten getragen, schwebt die goldgleißende Riesenstatue, überdacht von siebenfachem, weißgoldenem Thronhimmel und von Zeremonienschirmen, Tributbäumen, Standarten, Opfergaben und brennenden Wachskerzen umgeben, auf des Menamstromes leuchtender Flut.
Dahinter ragt die imposante "Wat Tschang", Bangkoks Wahrzeichen empor; Dächer und Zinnen glitzern in der Sonne, als wären sie mit Millionen Edelsteinen besetzt.
| Der große Wat Tschang Tempel am Menamstrom in Bangkok, umgeben von einem neunzehn Morgen großen Tempelpark mit zahlreichen anderen Tempaln und Pagoden. |
Dem schwimmenden Buddhatempel folgen die rotgoldenen, kunstvoll geschnitzten Staatsbarken des Königs und der Königin, die von je siebzig Männern in altsiamesischen Scharlachgewändern gerudert werden. Prächtige Boote der Prinzen, Mandarine und Würdenträger und lange schmale Kähne der Buddhapriester ziehen im Abstand duch die Fluten des heiligen Menamstromes.
Ein phantastisches, schwimmendes Theater, auf dem graziöse Tänzerinnen, die ihre Puppengesichtchen kreideweiß gepudert haben und edelsteinbesetzte Gewänder tragen, ihre eigenartigen faszinierenden Tänze aufführen, entzücken das Auge.
Unheimliche, gewaltige Drachengestalten, die Rachen auf und zu klappend, Seeschlangen, Krokodile, Elefanten, Löwen, groteske Teufelsfratzen und allegorische Fabeltiere in naturgetreuen Imitationen bieten dem Fremden ein exotisches Schauspiel.
Ein königlicher Prinz hat einen schneeweißen Riesendreimaster ausgerüstet, ein anderer eine schwerfällige chinesische Dschunke, der am Bugspriet riesige Augen aufgemalt sind, zur Abwehr alles Bösen.
| Der neugegossene Buddha wird zum Tempel gebracht. |
Hunderte von Nachen, Kähnen, Barkassen und winzigen Sampans wiegen sich auf des Menams schäumenden Wogen.
Funkelnde Lichter zaubert der Tropensonne goldener Schein auf die leuchtenden Farben der märchenhaft anmutenden Flottille und auf die schimmernden Dächer der Tempel, die in seltsamer Schönheit am Ufer unter Palmen stehen.
Durchsichtig und hell ist die Luft.
Von allen Pagoden schwingen die Jubeltöne der Gongs, vom Königspalast her schallt der Donner der Kanonen, schmettern silberne Fanfaren.
| Der neugegossene Buddha wird auf Schienen in den für ihn erbauten Tempel geleitet, dessen Frontseite zu diesem Zweck offen gelassen wurde. |
An der Landungsterasse des "Suan Dusit" ist die Front zum Empfang des gewaltigen Buddha offen geblieben. Marinesoldaten heben die Statue dort auf Schienen und geleiten sie an ihre Stätte. Blitzend brechen der Sonne Strahlen sich in den funkelnden Edelsteinen, die den vergoldeten Leib der Buddhagestalt umkränzen.
Leise klingen die Weisen siamesischer Musik, tönen melodische Tempelgongs, wirbeln Trommeln...
Feierlich besteigt der König den Thronsessel im königlichen Pavillon, der von den Damen des Palastes kunstvoll mit Blumengewinden geschmückt ward.
Plötzlich verstummen alle Gongs und Musikchöre. Siams König verleiht dem neuen Buddha den Namen "Phra Chinerai", auf daß er kommenden Geschlechtern von eines Herrschers Treue künde...
Geheimnisvoll leuchten "Buddhas" irisierende Augen, magisch umfluten purpurne Lichtwogen der untergehenden Sonne die gewaltige Figur.
Huldigend treten die Großen des Reiches und das Gefolge heran.
Bhuddapriester mit brennenden Wachskerzen ziehen singend an "Phra Chinerai" vorüber und umschreiten die Tempelanlage an schier endloser Reihe.
Die ganze Nacht hindurch strömt das Volk herbei und hebt betend die Hände zu Buddha empor.
Der bronzene Klang eines Gongs durchzittert die Luft und vibriert auf den Wassern des Menams.
Hoch türmen sich zu Füßen Gautamas bunte Blumenspenden der Gläubigen und erfüllen die Hallen des Tempels mit Wohlgeruch. Am nachtdunklen Tropenhimmel funkeln die Sterne des Südens, gießt der Mond flüssiges Silber auf schimmernde Tempel und Pagoden, in denen der Geist Buddhas weht.
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Letzte Aktualisierung dieser Seite: Montag, 27.12.2010
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