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Die Thailandseiten von Anne und Heiner

 
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Das Leben des Buddha

Der "heilige" Baum

In den Berichten des Buddha über seine Erleuchtung (M 26 und M 36) ist mit keinem Wort davon die Rede, daß ihm die Erkenntnis unter einem Baum gekommen sei. Einige Buddhismus-Forscher halten daher den Baum als Ort der Bodhi für ungeschichtlich und mutmaßen, daß vorbuddhistische Baumkulte in den Buddhismus Eingang gefunden hätten. Aber ist es nicht völlig natürlich, daß ein hausloser Wander­mendikant, wo immer er sich niederläßt, dies unter einem Baum tut, der ihn nachts vor dem Tau und tags vor der sub­tropischen Sonne beschirmt? Daß Siddhattha seine zur Erleuchtung rührenden Betrach­tungen am Fuß eines Baumes anstellte, muß man als selbstver­ständlich ansehen, und daß er diesen Baum, der zufällig ein Assattha war, an seinen herz­förmigen Blättern mit der langen, seit­lich ab­gebogenen Spitze als Assattha oder Pippala erkannte und dies, zum Buddha geworden, vor seinen Mönchen beiläufig erwähnte, hat so hohe Wahrschein­lichkeit, daß man es getrost als historisch ansehen darf.

Der Assatha- oder Pippala-Baum ist anhand seiner charakteristischen Blattform leicht bestimmbar.

Der Bodhi-Baum hinter dem aus dem 1. Jh. n. Chr. stammenden, 51 m hohen Mahabodhi-Tempel von Bodh-Gaya, dem einstigen Uruvela, wird täglich von einigen Dutzend Pilgern besucht. Nur sehr Gut­gläubige halten aber für wahr, daß es sich noch um den originalen Assattha handelt, unter dem Siddhattha Gotama vor 2.500 Jahren sein Erleuch­tungser­lebnis hatte. Es ist beweisbar, daß der Baum im Laufe der Zeit mehrfach ersetzt wurde, allerdings stets durch Abkömmlinge des Urbaumes, so daß der heutige Baum mit dem ursprünglichen Bodhi-Baum in direkter Linie verwandt ist.

Unter besonderen Schutz nahm den Bodhi-Baum der buddhistische Kaiser Asoka, der Indien von 265 bis 232 v. Chr. als Friedens­herrscher regierte. Nicht nur ließ er um den Baum einen (nicht erhaltenen) Steinzaun ziehen und den heiligen Ort durch eine von einem Elefanten­kapitell gekrönte (heute ebenfalls verschwundene) Ediktsäule markieren, er sorgte auch dafür, daß der (um 242 v. Chr.) zum Buddhismus über­getretene König Devanampiyatissa von Ceylon (Lanka) einen Ableger des Bodhi-Baumes zur Einpflanzung bei seiner Hauptstadt Anuradhapura erhielt. Der dort aus diesem Steckling erwachsene Baum sowie dessen Nachfolger haben wiederholt die Ableger oder Samen geliefert, um den indischen Bodhi-Baum nach Zerstörungen zu ersetzen.

Die Vernichtung des Bodhi-Urbaumes von Bodh-Gaya soll Tissarakkha, die schöne Zweitgattin Asokas verursacht haben, die der Kaiser vier Jahre vor seinem Tod ehelichte. Da Seine Majestät dem Bodhi-Baum mehr Aufmerksamkeit bezeigte als seiner Gattin, so heißt es (Mhv 20, 4 f.), stach sie den Baum, in welchem sie wohl eine Nymphe ver­mutete, aus Eifersucht mit einem Mandu-Dorn. Vom Dorn des Mandu glaubt man in Indien, er besitze die Fähigkeit, das Lebens­zentrum von Pflanzen abzutöten und sie zum Verdorren zu bringen. Offenbar bezweckt der Bericht, für das Eingehen des Baumes gegen Ende der Regierungszeit Asokas eine Erklärung zu liefern.

Die Zerstörung des mittlerweile ersetzten Bodhi-Baumes aus religiösen Gründen wird dem Gauda- (Bengalen-) König Sasanka angelastet. Sasanka, ein fanatischer Sivait und Buddhistenfeind, berührte Bodh-Gaya Anfang des 7. Jh. n. Chr. auf einem Feldzug nach Kanyakubja (Kanauj). Haßerfüllt ließ er, so berichtet Hsüan-tsang, den heiligen Baum fällen, und um die Vernichtung komplett zu machen, seine Wurzeln ausgraben und verbrennen. Den Ersatzbaum pflanzte Purnavarman, Asokas letzter Nachfolger auf dem Thron von Magadha.

Der Bodhi-Baum von Bodh-Gaya wurde 1876 durch einen Sturm entwurzelt. Ob es sich dabei noch um Purnavarmans Baum oder bereits wieder um einen Ersatzbaum handelte, läßt sich nicht feststellen.

Die Angaben über den heute bei Bodh-Gaya grünenden Bodhi-Baum sind widersprüchlich. Einige Gewährs­leute teilten mit, man habe ihn aus einem Steckling des Baumes von Anuradhapura gezogen; andere meinen, er sei aus den Wurzeln des vom Sturm gestürzten Vorgänger­baumes entstanden. Wie es auch sein mag: Der heutige Bodhi-Baum ist allenfalls ein Enkel, wahrscheinlicher ein Ur- oder Ur-Urenkel des originalen Assattha-Baumes, unter dem der Samana Siddhattha Gotama in einer Nacht des Jahres 528 v. Chr. zum Buddha wurde.

 

Anmerkung: Der obige Text ist ein Zitat aus dem Buch:
Der historische Buddha von Hans Wolfgang Schumann, Diederichs Gelbe Reihe, Eugen Diederichs-Verlag, München 1982

 
 
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Letzte Aktualisierung dieser Seite: Dienstag, 01.01.2013 

Anmerkung: Tooltips-Script von Walter Zorn, bei dem wir uns hiermit herzlich bedanken. Walters Homepage ist leider (im Moment?) offline, sein Script aber gibt es bei sourceforge.net