Ab dem 9. Jahrhundert dominierten die Khmer-Könige von Angkor (heute Kambodscha) fast 400 Jahre lang den gesamten Nordwesten des heutigen Thailand. Ihre Bauwerke zählen zu den größten Leistungen der Architektur: z.B. der Prasat Hin Phimai ("Stein-Palast von Phimai"), oder auch der Prasat Hin Khao Phanom Rung ("Stein-Palast auf dem Berg Phanom Rung") bei Buriram.
Wie bei den meisten Khmer-Tempeln dieser Zeit, besteht das Haupt-Heiligtum aus einem hohen, aus grauem Sandstein erbautem Turm (dem Prang), dessen Grundriss quadratisch ist. Den heiligsten Bezirk umschließt ein enger, überdachter Gang, auch als Galerie bezeichnet. Die Galerie hat gewöhnlich Tore (Gopuras) an den 4 Kardinal-Punkten, denen Vorhallen zugeordnet sind. Quadratische Fenster öffnen sich zum Innenhof. Sie wurde wohl ursprünglich als zeremonieller Prozessionsweg benutzt, um das zentrale Heiligtum stellvertretend für den Berg Meru zu umschreiten.
Diese Art von Galerie ist auch in der Thailändischen Tempel-Architektur der folgenden Jahrhunderte zu finden. Allerdings benutzten die Thais nicht Sandstein sondern Ziegelsteine und Holz, die Dach-"Ziegel" waren aus Keramik. Anders als die Khmer-Galerien in Thailand, die bis auf wenige vergitterte Fenster rundum geschlossen waren, sind die Thai-Galerien zum Innenhof offen, das Dach wird von Säulen gestützt. Möglicherweise stammt diese Bauweise von der Inneren Galerie des Angkor Wat.
Das älteste Beispiel einer solchen Galerie in Thai Tempeln scheint der Wat Phuttaisawan in Ayuthaya zu sein, einer der ältesten Tempel in Ayuthaya: etwa Mitte des 14. Jahrhunderts.
Ebenso beliebt wie damals in Ayuthaya sind die Galerien in den zahlreichen Tempeln in Bangkok. Das berühmteste Beispiel ist wohl der Wat Phra Kaeo, der Tempel des Smaragd-Buddha im Königspalast in Bangkok. Die Eingänge, die die Galerie unterbrechen, werden von mystischen Riesen, den Yakshas, bewacht.

Die Wände des Wandelgangs schmücken Malereien, die das Ramakien darstellen, das große hinduistische Epos über den Gotthelden Rama und seinen Sieg über das Böse. Die Geschichte wird auf insgesamt 178 Feldern erzählt. Die von König Rama V. bearbeiteten Gedichte zu diesem Epos sind auf Marmortafeln geschrieben, die in die Pfeiler gegenüber den jeweiligen Bildern eingelassen wurden.
Während nicht alle Tempel einen Wandelgang besitzen, ist es doch wichtig anzumerken, daß die Thais die Galerie adaptierten, um das wichtigste Bauwerk im Tempel zu umgeben, um es wie bei den Khmer zum Äquivalent des Berges Meru zu machen, der von mehreren Bergketten umgeben ist.
Gleichzeitig begrenzt der Wandelgang den Bereich, in dem bei buddhistischen Feiertagen die zeremonielle Umschreitung des Heiligtums stattfindet.
Häufig findet man im Wandelgang eine Sammlung von wichtigen Buddha-Statuen, wie hier im Wat Suthat in Bangkok.

Der Wandelgang im Wat Suthat in Bangkok

Sonderform: runder Phra Rabieng um die Phra Chedi von Phra Pathom Chedi in Nakhon Pathom.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: Freitag, 08.04.2011
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