Ein Hor Trai ist ein eher seltener Anblick in einem Thailändischen Wat. Hier werden die heiligen Schriften, die Traipidok (Tripitaka - "drei Körbe" = der buddhistische Kanon) aufbewahrt. Da es schwer ist, die empfindlichen Palmblattbündel der Handschriften vor Feuchtigkeit und den gefürchteten Weißen Ameisen zu schützen, stellt man die Gebäude auf Pfähle, so daß der Raum mit den Bücherschränken etwa 3m über dem Boden liegt. Wegen der Ameisen bevorzugt man Ziegelmauerwerk, mitunter verlegt man die Bibliothek sogar in künstlich angelegte Teiche.
Jeder Raja Khana (Vorsteher eines Teils der Mönche) besitzt seinen Hor Trai; hat ein Wat mehrere Raja Khana, so finden wir entsprechend viele Bibliotheksgebäude.
Sie können unterschiedliche Größen und Bauformen aufweisen.
Die Verwaltung eines Hor Trai obliegt dem Bannarak, dem Bibliothekar.
Die Bibliothek im
Wat Phra Sing,
Chiang Mai.


Oder hier ein antikes Gebäude, das ein reicher Gönner in der "Ancient City" (thailändisch: Müang Boraan, eine Art Freiluft-Museum vor den Toren von Bangkok) restauriert aufgestellt hat. Diese Bibliothek wurde zum Schutz vor Ungeziefer auf Stelzen in einem Teich aufgestellt.
Wat Ou Sai Kham, Chiang Mai

Die einzelnen Blätter einer heiligen Schrift, ungefähr 50cm lang und 4 - 6cm breit, sind perforiert, so daß etwa 20 bis 40 Seiten mit einer Kordel aufgefädelt werden können. Das gesamte Werk wird zwischen zwei Teakholz-Brettern zusammengepresst und mit einem Tuch eingewickelt in besonderen Bücherschränken aufbewahrt. Diese Bücherschränke sind meistens künstlerisch wunderschön ausgestaltet, mit Perlmutt-Intarsien oder Zeichnungen in Gold auf schwarzem Lack. Hier rechts ist ein eher einfaches Exemplar abgebildet. Es steht im Wat Pho, Bangkok.
Letzte Aktualisierung dieser Seite: Montag, 27.12.2010
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