Die Thailandseiten von Anne und Heiner |
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Das Leben des BuddhaDie Einäscherung | |||||
Der Gefaßteste war Anuruddha, ein Vetter des Buddha und Halbbruder Anandas, der die zum Teil weinenden Mönche tröstete und ihnen mit den Worten des verloschenen Meisters die Unbeständigkeit allen Lebens vor Augen hielt. Gegen Morgen beauftragte er Ananda, nach Kusinara zu gehen, um den Bürgern den Tod des Vollendeten mitzuteilen. Bereitwillig wie immer führte der alte Ananda den Auftrag aus. Er meldete das Hinscheiden des Lehrers in der Ratshalle, wo die Ratsversammlung der Mallas gerade tagte. Sofort ordnete die Versammlung Zeremonien für die Totenfeier an (D 16, 6, 11-13). Der kanonische Bericht über die Einäscherung vermittelt den Eindruck heilloser Desorganisation. Da die kleine Mönchsgruppe, bestehend aus den Bhikkhus Ananda, Cundaka, Anuruddha, Upavana und vielleicht ein oder zwei weiteren, vom Buddha Weisung erhalten hatten, die Beisetzung seinen Laien-Verehrern zu überlassen, die aber anscheinend in Kusinara nicht zahlreich waren, fühlte sich niemand wirklich verantwortlich. Trauerbekundungen in Form von Blumen und Räucherwerk kamen reichlich, offenbar war jedoch niemand bereit, die Kosten für das Holz des Scheiterhaufens zu tragen. Von Tag zu Tag wurde die Einäscherung verschoben, angeblich eine Woche lang. Dazu bestand Konfusion über das anzuwendende Ritual. Der Verstorbene war ein Sakiya und Kriegeradliger, aber ein Samana und Gegner des brahmanistischen Ritualismus gewesen, welche Bräuche waren also auf ihn anzuwenden? Sollte er südlich oder östlich der Stadt verbrannt werden? Endlich entschied man sich für das letztere und trug den in Tücher gewickelten Toten durch das Nordtor in die Stadt hinein und durch das Osttor wieder hinaus zum Makuta-bandhana, worunter wahrscheinlich eine nach allen Seiten offene Leichenhalle am Verbrennungsplatz zu verstehen ist (D 16, 6, 13—16). Unterdessen befand sich der Bhikkhu Mahakassapa, »der große Kassapa« mit einer Begleitgruppe auf dem Weg nach Kusinara; man darf annehmen, daß er vorhatte, die heranrückende Regenzeit in Savatthi zuzubringen. Mahakassapa war nach dem Tod Sariputtas und Moggallanas der prominenteste Mönch im Sangha, und hätte der Buddha einen Nachfolger bestimmt, wäre die Wahl vermutlich auf ihn gefallen. Er war Brahmane und stammte aus dem Magadha-Dorf Mahatittha. Der Buddha hatte ihn vor vielen Jahren bei einem Zusammentreffen zwischen Rajagaha und Nalanda selbst in den Sangha aufgenommen. Schon eine Woche danach war Kassapa die höchste Erkenntnis zuteil geworden (S 16, 11, 16—23), die ihn zum Heiligen machte. Stolz war Mahakassapa darauf, des Meisters verschlissene Mantelrobe zu tragen. Die Ehre war ihm allerdings durch einen Zufall zuteil geworden. Als der Buddha sich einst bei einer Wanderung anschickte, unter einem Baum Rast zu machen, hatte Kassapa sein Obergewand zusammengefaltet und den Meister eingeladen, auf dieser Unterlage Platz zu nehmen. Gotama tat es und stellte, durch seinen wehen Rücken empfindlich, fest, das Tuch sei ungewöhnlich weich. Kassapa überließ es ihm daher und erhielt die abgetragene Fetzenrobe des Buddha als Gegengabe. Er leitete daraus die Überzeugung ab, ein wahrhafter »Sohn des Erhabenen, aus seinem Munde geboren« (S 16, 11, 24—30) und zu besonderen Aufgaben berufen zu sein. Der Buddha hatte Mahakassapa stets hoch geschätzt, ihn bei einer Erkrankung besucht (S 46, 2, 4) und ihn gegenüber jüngeren Mönchen als vorbildlich lebenden und genügsamen Bhikkhu gelobt (S 16, 1). Dennoch verkannte er nicht Kassapas schwierigen Charakter, der von den Jungmönchen das Äußerste an Disziplin forderte und es zuweilen an Einfühlung und Nachsicht fehlen ließ. Ein Novize, zur Verzweiflung getrieben, hatte sogar einmal Mahakassapas für die Regenzeit errichtete Laubhütte angezündet (Jat 321), was Kassapas Sympathie für die jüngere Mönchsgeneration nicht eben stärkte. Mehrfach hatte er Bitten des Buddha, jungen Mönchen einen Lehrvortrag zu halten, rundweg abgelehnt (S 16, 6; 16, 7; 16, 8). Dieser Mahakassapa also war mit anderen Bhikkhus auf dem Weg von Pava nach Kusinara und machte soeben unter einem Baum Rast, als ihm ein Ajivika-Mönch entgegenkam. Ein Gespräch entspann sich: Mahakassapa: Bruder, kennst du unseren Meister? (D 16, 6, 19) Das war eine traurige Nachricht, die nur die fortgeschrittenen Bhikkhus aus Kassapas Gruppe philosophisch bewältigten; die anderen brachen in Tränen aus. Eine Ausnahme bildete Subhadda — nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Novizen, dem der Buddha am Vorabend seines Todes die Pabbaja hatte erteilen lassen. Subhadda, ein ehemaliger Barbier aus dem Dorf Atuma, der erst im Alter in die Hauslosigkeit gezogen war, erklärte: »Genug, Brüder, des Trauerns und Jammerns! Jetzt sind wir den großen Samana endlich los. Er war recht lästig mit seinem (ständigen): »Dies ist euch erlaubt, das ist euch nicht erlaubte Jetzt können wir tun und lassen, was wir wollen« (D 16, 6, 20). Mahakassapa ging auf die Äußerung nicht ein, sollte sich ihrer aber bald wieder erinnern. Unverzüglich eilte er mit seiner Gruppe nach Kusinara und erreichte den Verbrennungsplatz gerade rechtzeitig, um den Scheiterhaufen des Buddha noch unentzündet vorzufinden. Welch geringe Menge Holz für die Einäscherung zusammengekommen war, wird daraus deutlich, daß die umhüllten Füße des Toten noch zu sehen waren. Nachdem Mahakassapa und die anderen Bhikkhus den Leichnam dreimal im Rechtskreis umwandelt und durch Aneinanderlegen der Handflächen und Verneigung ihre Verehrung bezeugt hatten, wurde der Holzstoß in Brand gesetzt. Als er heruntergebrannt war, wurde die Restglut mit Wasser gelöscht. Vom Körper des Buddha waren nur noch geringe Knochenreste übrig. Sie wurden an der Verbrennungsstätte in einem irdenen Topf beigesetzt, und die Mallas markierten die Stelle indem sie rundum Speere in den Boden stießen (D 16, 6, 22-23). Anscheinend war keinem der Kusinarer Mallas der Gedanke gekommen, daß andere Stämme auf Reliquien des Buddha Anspruch erheben könnten. Sie waren daher höchst überrascht als Abgesandte aus allen Richtungen in Kusinara eintrafen, um Reliquienanteile des Buddha zu erbitten. Anfänglich nicht gewillt, von den Knochenresten etwas abzugeben, beugten sie sich schließlich den Argumenten des Verbrennungs-Brahmanen Dona, der daraufhinwies, Reliquienegoismus werde zu Streit führen und stehe im Gegensatz zur Lehre des Verstorbenen, der stets für Frieden eingetreten sei (D 16, 6, 2 5). Dona teilte deshalb die Knochenüberreste in acht Teile. Je ein Teil ging an
Als die Knochenreliquien bereits vergeben waren, erschien ein Bote auch von den Moriya aus Pipphalivana und bat um einen Anteil. Er konnte nur noch mit einem Aschenrest vom Scheiterhaufen zufriedengestellt werden. Den Tontopf, in dem die Reliquien nach der Verbrennung bis zur Verteilung aufbewahrt worden waren, nahm Dona an sich (D 16, 6, 24-26). Alle zehn Empfänger von Reliquien oder Souvenirs bestatteten ihren Anteil in Stupas (D 16, 6, 27). Bisher sind zwei der Reliquienurnen entdeckt und archäologisch erforscht worden. Die auf dem Deckel mit einer Widmungsinschrift versehene, kugelförmige kleine Urne, die die Sakiyas im heutigen Piprava (Kapilavatthu II) beisetzten, befindet sich im Indian National Museum in Kalkutta, jedoch ohne die Asche, die vor Jahrzehnten dem König von Thailand (Siam) übergeben worden ist. Die Deckelschale, in der die Licchavi ihren Reliquienanteil bestatteten, wurde 1958 in Vesali ausgegraben. Sie enthält Knochenreste, Asche und Beigaben und ist heute in der Obhut des Department of Archaeology and Museums der Landesregierung von Bihar in Patna. |
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Letzte Aktualisierung dieser Seite: Montag, 27.12.2010
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