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In Pava (wahrscheinlich das heutige Fazilnagar, 16 km südöstlich von Kasia) wurde der Meister mit seiner Schar von dem Schmied Cunda für den darauffolgenden Tag zum Essen eingeladen. Um dem ehrwürdigen Gast etwas Besonderes vorzusetzen, hatte Cunda neben anderen Speisen »Eberweich« (sukaramaddava) zubereiten lassen. Über die Natur dieses Gerichts ist bisher keine Klarheit erzielt worden. Einige Autoren verstehen darunter Schweinefleisch, andere zarte Bambussprosse wie sie am Rand einer Schweinesuhle aus dem Boden schießen, dritte eine Pilzart, vielleicht Trüffeln. Was immer es gewesen sein mag: Dem Buddha kam die Speise bedenklich vor, so daß er Cunda bat, sie den anderen Bhikkhus nicht anzubieten. Er selbst aber aß davon, um den wohlmeinenden Schmied nicht zu enttäuschen (D 16, 4, 13-19).
Die Rücksichtnahme auf den Spender erwies sich als Fehler. Der Buddha erkrankte an der Ruhr und wurde von quälenden Koliken befallen. Geschwächt und matt brach er trotzdem auf und verließ Pava in Richtung Kusinara. Immer wieder zwangen ihn Krämpfe, sich seitab von der Straße zu erleichtern und am Wegrand auszuruhen.
Zu den Koliken und dehydrierenden Durchfällen kam der Durst. Auf seine dringende Bitte um Wasser wies Ananda darauf hin, der nahegelegene Bach sei von Ochsenkarren aufgewühlt und liefere nur lehmiges, zum Trinken ungeeignetes Wasser; es sei besser, zu dem nicht mehr fernen Kakuttha-Fluß (heute Badhi oder Barhi) weiterzuwandem. Aber der Meister beharrte auf seinem Wunsch und trank von dem Bachwasser, das sich inzwischen gesetzt und geklärt hatte (D 16, 4, 20-25).
In diesem Moment kam ein Mann des Malla-Stammes vorbei, Pukkusa mit Namen. Er sprach den Buddha an, wobei sich herausstellte, daß Pukkusa ein Anhänger des Alara Kalama war, unter dessen Mentorschaft Gotama vor seiner Erleuchtung religiöse Studien getrieben hatte. Als Pukkusa die beschmutzten Gewänder des kranken alten Mannes und seines Adjutanten sah, ließ er von einem Diener rasch zwei Tücher besorgen, die er dem Buddha und Ananda zum Geschenk machte (D 16, 4, 26-35).
Nachdem Pukkusa außer Sicht war, setzte sich die kleine Schar erneut in Marsch und erreichte die Kakuttha, wo der Meister trank, sich wusch und am anderen Ufer ausruhte nachdem der Novize Cundaka ihm dort unter Mangobäumen das Obergewand als Bodendecke ausgebreitet hatte. Cundakas Anwesenheit brachte dem Buddha den Schmied Cunda in Erinnerung, in dessen Haus er sich die Speisevergiftung zugezogen hatte, und er schärfte Ananda ein, der Orden möge dem Schmied, der das Beste gewollt hatte, keine Vorwürfe machen (D 16, 4, 37-42). Sobald er wieder etwas zu Kräften gekommen war, ging die Wanderung weiter. Der matte Lehrer durchwatete mit seinem Gefolge den Hirannavati-Fluß (heute Little Gandak) und erreichte Kusinara, die ihm von früheren Besuchen (M 103; A 10, 44) bekannte zweite Hauptstadt des Malla-Stamms.
Da er erklärte, er sei müde und müsse sich hinlegen, machte Ananda ihm unter den Sala-Bäumen des Upavattana-Wäldchens am südlichen Stadtrand ein Lager zurecht. Die Salas (shorea robusta) standen in Blüte, was - entgegen der Tradition, die den Tod des Meisters im Vesakha (April/Mai) ansetzt - auf die Monate März/April hinweist. Auf der rechten Seite liegend, vielleicht schmerzverkrampft, versuchte er zu ruhen. Da Ausbrüche kalten Schweißes, wie sie mit Koliken und Darmaffektionen verbunden sind, ihn frieren ließen, schickte er den Bhikkhu Upavana, der ihm Kühle zufächelte, von sich weg (D 16, 5, 1-4).
Er hatte jetzt keinen Zweifel mehr, daß er sich von dieser Stelle des Sala-Hains bei Kusinara nicht mehr erheben werde. Mit klarem Kopf instruierte er Ananda, wie mit seinem Leichnam zu verfahren sei: Die Bhikkhus sollten sich um seine Beisetzung nicht kümmern, sondern allein um ihre Erlösung bemüht sein; es gebe genug Leute, die an den Vollendeten glaubten - sie würden das Notwendige schon besorgen (D 16, 5, 10). Weinend ging Ananda beiseite und überließ sich seinem Schmerz: »O weh, ich bin noch ein Lernender, habe noch viel (an mir) zu arbeiten, und jetzt geht der Meister, der sich meiner erbarmte, ins Parinibbana ein!«
Als dem Buddha auffiel, daß sein treuer Jünger sich fernhielt, ließ er ihn rufen und tröstete ihn:
Laß es gut sein, Ananda, gräme dich nicht, laß das Weinen! Habe ich nicht stets betont, daß wir von allem Lieben und Angenehmen uns einmal trennen, von ihm Abschied nehmen müssen, daß nichts ewig so bleiben kann? Daß etwas, das geboren, geworden, (durch die Tatabsichten der Vorexistenz) bedingt und (deshalb) zum Zerfall bestimmt ist, - daß das nicht vergehe, diesen Fall gibt es nicht. Lange Zeit, Ananda, bist du (mir), dem Vollendeten, nahe gewesen und hast dich mit ausdauernder Güte um mein Wohl gekümmert. Du hast dadurch Verdienst erworben. Strenge dich an, dann wirst du die Einflüsse bald vernichten!
(D 16, 5, 14 Schluß gerafft)
Vermutlich beim Almosengang am nächsten Morgen, angeblich auf Anordnung des Buddha, machte Ananda die Krankheit des Meisters in Kusinara bekannt. Zahlreiche Bürger der Stadt begaben sich darauf in den Sala-Hain, um das ehrwürdige Ordenshaupt, von dem seit fünfundvierzig Jahren Wunderdinge erzählt wurden, zu sehen. Ananda versuchte alles, um Belästigungen des erschöpften Greises zu verhindern. Subhadda, einen Samana anderer Schule, der am Abend kam um den Buddha zu sprechen, wies er ab, bis der Meister, der den Wortwechsel mitgehört hatte, ihn bat, den Besucher vorzulassen. Am Ende dieses Gesprächs mit dem Buddha ersuchte Subhadda ihn um Ordination in den Sangha, und Ananda vollzog an ihm den Weltverzicht (pabbaja). Subhadda war der letzte, der noch zu Lebzeiten des Ordensstifters als Novize aufgenommen wurde. Später, nach Ablauf der üblichen Wartefrist für Samanas aus anderen Bekenntnissen, erhielt er auch die Bhikkhuweihe (upasampada) (D 16, 5, 19-30).
Etwaigen Ansprüchen eines Mönchs auf die Führung des Sangha vorzubeugen, war Gotama so wichtig, daß er kurz vor seinem Hinscheiden noch einmal die Leitfunktion der Lehre für den Orden betonte:
Ananda, es könnte euch der Gedanke kommen: >Mit dem Tode des Meisters ist sein Wort vergangen, wir haben keinen Meister mehr<. Aber so dürft ihr es nicht ansehen, Ananda. Die Lehre (dhamma) und die Ordenszucht (vinaya), die ich euch dargelegt und erläutert habe, die sind nach meinem Tode euer Meister.
(D 16, 6, 1)
Dies setzte voraus, daß keine Unklarheiten blieben, die zu Auslegungsdifferenzen führen konnten. Der Buddha gab darum den Mönchen eine letzte Gelegenheit, ihm Fragen zu stellen:
Vielleicht, Mönche, hat einer von euch noch einen Zweifel oder eine Wissenslücke bezüglich des Buddha oder des Dhamma oder des Sangha, bezüglich des (Achtfachen) Weges oder der Methode (zur Verwirklichung der Erlösung). Fragt mich, Mönche, damit ihr euch später nicht vorwerft: >Wir saßen dem Meister gegenüber, doch wir brachten es nicht fertig, ihn persönlich zu fragen<.
(D 16, 6, 5).
Aber die Bhikkhus blieben stumm. Da bat der Buddha sie, falls sie aus Respekt vor ihm nicht zu sprechen wagten, ihren Fragewunsch einem befreundeten Mitmönch anzuvertrauen, aber wiederum verharrten sie in Schweigen. Es gab keine Unklarheiten mehr. Die Nacht war weit vorgerückt und Stille stand zwischen den Bäumen, als der sterbende Lehrer die Bhikkhus noch einmal anredete:
Nun denn, Mönche, ich beschwöre euch: Die Persönlichkeitsbestandteile (sankhara) unterliegen dem Gesetz der Vergänglichkeit. Bemüht euch angestrengt!
(D 16, 6, 7)
Das war des Buddha letztes Wort. Darauf fiel er in ein Koma, das Anuruddha den Mönchen als Meditationszustand erklärte, und ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, ging der Achtzigjährige ins Parinibbana ein, in den Zustand der Leidenserlöstheit nach Ablegung des Körpers (D 16, 6, 8-9). Die Mehrheit der Indienhistoriker datiert das Ereignis auf das Jahr 483 v. Chr.
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