Erläuterungstext auf der Postkarte: |
| «Am Tage Sirimahamaya empfing die Mutter des Buddha ein Kind. Sie träumte, ein weißer Elefant sei von den Silber- und Gold-Bergen heruntergestiegen, um ihr eine Lotos-Knospe zu bringen.» |
Um uns nicht nur seine Legende, sondern auch ihre Sprache, ihren Geist zu vergegenwärtigen, wollen wir hier auf einen Originaltext zurückgreifen - die um 500 n. Chr. entstandene Nidanakatha - , den Julius Dutoit vor fast hundert Jahren zum erstenmal ins Deutsche übersetzt hat.
Dieser Text verbindet das Geschehen um Empfängnis und Geburt des Siddharta Gautama mit historischen Ereignissen der Zeit, wie dem Asalhi-Nakkhatta-Fest, zu einer sinnlich-übersinnlichen Einheit. Er erzählt, wie nach indischer Vorstellung ein Großer unsere Erde betritt. So entspricht diese Geburtsgeschichte ganz einer altindischen Erzählung, in der Realität, Traum und Wunder vielfältig ineinander verwoben sind. Für den, der sie hörte - die Geschichten wurden in langen Nächten am Feuer erzählt -, war sie ganz Wirklichkeit, aber auch ganz Traum. In diesem Sinne sollte man sie lesen - am besten laut. |
»In der Stadt Kapilavastu war das Asalhi-Nakkhatta verkündet worden. Viel Volk beging festlich das Nakkhatta. Die erhabene Königin Maya nahm vom siebten Tage vor dem Vollmond an dem Feste teil, das prächtig mit Kränzen und Wohlgerüchen gefeiert wurde; dabei enthielt sie sich der geistigen Getränke. Am siebtenTage stand sie in der Frühe auf, badete sich in wohlriechendem Wasser und gab ein großes Almosen von vierhunderttausend Geldstücken. Dann, mit allem Schmuck geziert, nahm sie ein treffliches Mahl ein, faßte den Entschluß, die acht Tugenden zu betätigen, und begab sich hierauf in ihr prächtig geschmücktes Schlafgemach, wo sie sich auf ihr fürstliches Lager legte und einschlief.
Da hatte sie folgenden Traum: Vier Großkönige hoben sie samt ihrem Bett auf und brachten sie nach dem Himalaya; dort setzten sie sie in der Manosila-Ebene, die sich sechzig Meilen weit ausdehnt, unter einem sieben Meilen umspannenden großen Sala-Baum nieder und traten dann zur Seite. Darauf kamen ihre Gattinnen und brachten Maya nach dem Anotatta-See; hier badeten sie die Königin, um sie von der menschlichen Unreinheit zu befreien, bekleideten sie mit einem himmlischen Gewande, besprengten sie mit Wohlgerüchen und überstreuten sie mit himmlischen Blumen. Nicht weit von dort ist der Silberberg, dessen Spitze ein goldenes Haus ist; da machten sie ein nach Osten gerichtetes Lager zurecht und legten Maya darauf nieder.
Hierauf stieg der Bodhisattva, der in der Gestalt eines herrlichen weißen Elefanten auf einem nahegelegenen Goldberge sich aufgehalten hatte, von da herab, stieg den Silberberg hinan - er kam dabei von Norden her-, faßte mit seinem Rüssel, der die Farbe eines silbernen Bandes hatte, eine weiße Lotosblume und stieß ein lautes Gebrüll aus. Sodann trat er in das goldene Haus ein, umschritt dreimal von rechts das Lager seiner Mutter, berührte ihre rechte Seite und ging so gleichsam in ihren Leib ein. So nahm er am letzten Tage des Asalhi-Nakkhattas seine Wiedergeburt.«
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