Das Wort Bodhisattva bezeichnet ein Ziel, aber auch ein Programm. Der Mensch erreicht und erfüllt es, wenn er den Weg Buddhas geht, wenn er der Lehre des Erwachten folgt und die Welt überwindet. Damit erklimmt er die letzte Stufe zur Buddhaschaft, zum Nicht-mehr-Wiedergeboren-werden - zum Eintritt ins Nirvana. Doch im Gegensatz zu Buddha, der ins Nirvana einging, verzichten viele, die seinem Heilsweg folgen, auf Buddhaschaft. Sie werden zu Helfern der Menschheit auf ihrem Weg zur Erleuchtung. Und sie geloben, wie wir es in einer berühmten Mahayana-Sutra späterer Jahrhunderte lesen, als Boddhisattvas zu wirken, »bis auch der letzte Grashalm erlöst ist«.
Bodhisattvas werden wiedergeboren wie alle anderen Menschen, doch sie unterliegen nicht mehr dem durch ihr Karma bedingten Zwang zur Wiedergeburt. Sie gehen freiwillig in ein neues Helferleben ein. Auch Siddharta Gautamas letzte Wiedergeburt war ihm noch karmisch vorbestimmt. Darum bezeichnet ihn der spätere Buddhismus folgerichtig in der Zeit vor seiner Erleuchtung als Boddhisattva.